Der Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar – die Ausstellung – ein DEEP DIVE

Shownotes

### Dieser Audioguide ist mehr als eine Führung – er ist ein Streifzug durch 500 Jahre Geschichte.

Johannes Waldschütz (Leiter des Stabsbereichs Archiv, Kultur, Tourismus im Landkreis Rottweil), Cajetan Schaub (Museumsleiter des Kultur- und Museumszentrums Schloss Glatt) und Dr. Lois-David Finkeldei (Kreisarchivar Freudenstadt) nehmen dich mit durch die Sonderausstellung „Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar“ im Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt.

In der Langfassung – als Deep Dive – hörst du, wie der Bauernkrieg 1525 wirklich verlief: zwischen Alpirsbach, Sulz, Dornstetten, Glatt und Rottweil.

Es geht um Freiheit, Fronarbeit, Waldrechte, um mutige Frauen wie Endlin Mura, um Thomas Mayer, den Hauptmann des Schwarzwälder Haufens, um Reinhard von Neuneck und um Schlösser, Klöster und Städte, die im Aufstand eine entscheidende Rolle spielten.

🎧 Begib dich akustisch in die Ausstellung: – ins Treppenhaus mit den Namen der Aufständischen – in den Fürstensaal, wo der Geist des Bauernkriegs spürbar wird – bis hinein in das Schloss Glatt, das selbst erobert und geplündert wurde

Die drei Experten erzählen mit Leidenschaft und Detailkenntnis von historischen Dokumenten, Urfehden, Ofenkacheln, Schuhfunden und Pergamenten, die von echten Menschen, ihrem Mut und ihren Schicksalen berichten.

Diese Folge zeigt, warum der Bauernkrieg nicht nur ein Aufstand, sondern ein Wendepunkt der regionalen Geschichte war – zwischen Schwarzwald, Neckar und Rottweil, zwischen Glauben, Macht und Gerechtigkeit. 🎧 Ein Stück Geschichte zum Hören, Entdecken und Staunen. Für alle, die tiefer eintauchen wollen – oder mit Kopfhörern durch die Ausstellung gehen.

### Was erwartet euch:

• Audioguide zur Sonderausstellung „Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar“ • Deep Dive: Geschichte des Bauernkriegs in Südwestdeutschland • Alltag der Bauern um 1500 – Arbeit, Abgaben und Überleben • Adel, Klöster und Waldrechte – Macht und Abhängigkeit • Schloss Glatt, Alpirsbach, Sulz und Dornstetten – Orte des Aufstands • Waffen, Rüstungen, Bauernwehren: Kampf um Freiheit • Urfehden, Karten und Chroniken – Geschichte zum Anfassen • Nachklang: Was der Bauernkrieg uns heute noch sagt

Links und weitere Informationen:

Schloss Glatt: https://www.schloss-glatt.de

Sonderausstellung Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar noch bis 01.Februar 2026

Café im Schloss Glatt:

Credits:

  • Cajetan Schaub, Leiter Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt (KMZ)
  • Johannes Waldschütz, Leiter des Stabsbereichs Archiv, Kultur, Tourismus im Landkreis Rottweil
  • Dr. Louis-David Finkeldei, Kreisarchivar Freudenstadt
  • Kasten Schiller, Musik, www.mibero.de
  • AudiotexTour, Konzeption & Produktion, www.audiotextour.de

Transkript anzeigen

Station 1 - Treppenhaus

MUSIK

W: Ja, hallo. Jetzt sollen wir uns vorstellen, oder?

F: Ich würde sagen, auf geht's.

W: Ich heiße Johannes Waldschütz und bin von Landkreis Rottweil, bin dort für Themen, Kultur, Archiv zuständig und bin einer der Kuratoren der Ausstellung.

C: Mein Name ist Cajetan Schaub, ich bin Museumsleiter der Stadt Sulz seit gut 20 Jahren und insbesondere für das Kulturmuseumszentrum Schloss Glatt zuständig und auch einer der Kuratoren der Ausstellung.

F: Ja, ich bin Louis-David Finkeldei, ich bin der Kreisarchivar aus dem Landkreis Freudenstadt und ich bin aber auch für die musealen Beteiligung des Landkreises zuständig.

W: Wir sind hier, um über die Ausstellung zu sprechen, der Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar. Und das bietet sich eigentlich an, weil das Gebiet, das wir hier beschreiben, das umfasst im Wesentlichen heute die Landkreise Rottweil und Freudenstadt. Und 1525 war da ein Haufen unterwegs, den man den Haufen vor dem Wald nennt, an manchen Quellen heißt es auch anders, mal Schwarzwälder Haufen, mal Heller Haufen genannt. Und die haben innerhalb von drei Wochen, ausgehend vom Kloster Alpirsbach unter dem Hauptmann Thomas Mayer, diesen gesamten Raum unter ihre Kontrolle gebracht, könnte man sagen. Ja, es ist sogar ziemlich wild, also der Historiker Gerd Schwerhoff hat von der Geschichte einer wilden Handlung gesprochen und ich finde, das trifft es unglaublich. Weil es gibt so viele verschiedene Bauernaufstände und es war in jedem Kloster, in jeder Stadt ein bisschen anders. Und erst in der Zusammenschau kann man dann eigentlich auch sagen, was ist der Bauernkrieg, was hat die damals bewegt, waren das alle Bauern, die dort unterwegs waren, wie sind die vorgegangen, gegen wen haben sie sich erhoben, wer hat sich ihnen angeschlossen, da sind so viele Fragen und wir wollen das in der Ausstellung auch so machen, dass wir tatsächlich, sobald es machbar ist, auch uns bestimmte Personen und Orte anschauen und an denen exemplarisch beleuchten, wie der Bauernkrieg in unserer Region oder welche Auswirkungen der Bauernkrieg in unserer Region hatte.

C: Mir ist vielleicht noch wichtig, warum wir diese Ausstellung machen, weil es gibt ja im Forschungsbereich ganz viele Publikationen zum Thema Bauernkrieg überall in Baden-Württemberg, aber unsere Region, die wir hier beleuchten in der Ausstellung, die kam bis jetzt immer zu kurz. Das sieht man insbesondere am historischen Atlas von Baden-Württemberg, vor einer Karte stehen wir gerade und da sind die verschiedenen Züge der verschiedenen Bauernhäufen aufgezeigt, aber genau unsere Region ist ausgespart. Deswegen ist es umso spannender, weil hier doch einiges passiert ist, was man jetzt im Grundgang sicherlich deutlich sehen kann und hören kann.

F: Und man muss sagen, das kann ja nicht sein und deswegen ist unser Teil des Bauernkriegs einer Erforschung wert und einer Präsentation auch wirklich wert, dass wir uns dieses Thema widmen und dass dieser, wie soll man sagen, bisher leere Fleck auch nochmal ein echtes Gesicht bekommt.

W: Rot gefüllt haben wir ihn auf der Karte jedenfalls schon.

F: Genau!

W: Und wir haben ihn eigentlich auch gefüllt, finde ich, mit ganz vielen Namen. Wenn wir hier den Gang runtergehen, Namen von Personen, die aus den Quellen nach dem Bauernkrieg erscheinen, also Personen, die sich verantworten mussten vor ihren Obrigkeiten, dass sie am Bauernkrieg teilgenommen hätten, dass sie an der Belagerung oder Einnahme von Schloss Glatt oder der Belagerung von Sulz oder der Einnahme von Dornhahn oder Dornstetten teilgehabt haben. Die haben sogenannte Urfehde geleistet. Das war die Urkunde, die sie ausgestellt haben in dem Moment, wo sie von ihrer Herrschaft aus dem Gefängnis entlassen wurden. Und in diesen Urfehden wurde nacherzählt, welche Vorwürfe gegen sie erhoben wurden, was die einzelnen Menschen getan hatten. Nicht unbedingt in ihren eigenen Worten, aber doch sozusagen, ja, ist das eine Perspektive, die man sonst nicht bekommt. Und dann wurde festgelegt, zu was sie sich verpflichtet haben, also beispielsweise sich nie wieder Aufrührerischen anzuschließen oder das Land zu verlassen, auch das kommt vor, oder eine Strafe zu zahlen.

W: Genau, also schmökern Sie einfach mal in der Liste, schauen Sie sich das an, was für Namen da auftauchen, vielleicht kennen Sie Namen noch aus den Orten, wenn Sie da herkommen, woher die kommen und schauen Sie auch mal, ja, wie unterschiedlich die Herrschaften waren. Also Dornstetten gehörte damals zu Württemberg, Glatt aber war eine eigene Ritterherrschaft der Herren von Neuneck, es gab Klosterherrschaften wie Alpirsbach und Reichenbach und ja, es gab sehr verschiedene Adelsherrschaft und das ist einfach der berühmte Flickenteppich. Und vielleicht ein Wort noch, darauf müssen wir mal sagen, wir haben natürlich nicht alles jetzt von Grund auf ausgeforscht, sondern wir haben uns auch auf Quellen verlassen und einen Namen, den man da nennen muss, ist Dr. Johann Ottmar, der in einem wirklich grundlegenden Aufsatz diesen Raum erst mal auf die Landkarte gebracht hat und damit auch uns vor die Augen geführt hat und wir haben da weiter geforscht, wo Ottmar aufgehört hat, aber in vielerlei Hinsicht stützen wir uns auch auf seine Ergebnisse. Ja, eine wirklich grundlegende Arbeit oder die einzige grundlegende Arbeit, die wir wirklich hier zum Bauernkrieg hier in der Region haben.

W: Jetzt gehen wir mal tiefer in die Zeit rein, schauen uns in der Zeit um 1500 um, versuchen mal zu verstehen, vor welchem Hintergrund eigentlich der Bauernkrieg entstanden ist und das kann man eigentlich wunderbar schon mal einleiten mit dieser Urkunde, die hier in der Vitrine liegt, ein Kaufvertrag des Ritterguts Leyenstetten, 1474 kaufte der adelige Konrad von Bubenhofen dieses Rittergut und darüber wurde eine Urkunde niedergeschrieben und diese Urkunde, man sieht ja, sie ist riesig und die führt auch wirklich en Detail aus, was er da gekauft hat und sie führt nämlich nicht nur aus, welche Höfe und Häuser er gekauft hat, sondern auch, welche Abgaben von diesen jeweils zu leisten waren und listet dann in einer ganz wirklich großen Liste auf, ja auch welche Personen er gekauft hat, nämlich sogenannte Leibeigene. Man zeigt, in welchen unterschiedlichen Verhältnissen die Personen standen, manche waren abhängige Bauern, die Abgaben leisten mussten und manche waren sogar so abhängig, dass sie Leibeigene waren, dass sie keine eigenen Rechte hatten, beziehungsweise die Rechte sich immer erst von ihrem Herrn erbitten mussten, ob sie heiraten wollten oder ob sie den Ort verlassen durften und vieles, vieles mehr.

MUSIK

W: Ja, wir sind jetzt hier im Eckzimmer und hier widmen wir uns den Lebensbegebenheiten um 1500 und vielleicht fangen wir einfach mal an, wie lebten denn die Bauern um 1500?

F: Also wenn wir in die Vitrinen schauen, wir sehen Objekte, wir sehen Schuhe, wir sehen Werkzeug und man muss sich so vorstellen, dass diese Bauern heutzutage, wir gehen alle in den Supermarkt, wir kaufen ein, wir kaufen das, worauf wir Lust haben, im Sommer Äpfel, im Winter Tomaten, das ist im Prinzip für uns heutzutage völlig egal, aber wenn wir uns anschauen, wie die Menschen damals gelebt hatten, wir müssen uns überlegen, sogar die Kartoffel gab es bei uns noch nicht, weil die Kartoffel erst viel später aus Amerika gekommen ist.

W: Die Tomate auch.

F: Die Tomate tatsächlich auch. Wir leben wirklich in einer Zeit, wo die Leute von dem leben müssen, was sie wirklich mit eigenen Händen aus dem Boden herausholen. Da gibt es keine Option zu sagen, okay, dieses Jahr ist die Ernte nicht so gut, dann hole ich mir von anderswo etwas, sondern wenn die Ernte schlecht war, dann ging es den Leuten noch schlechter. Und das unter der Bedingung, nicht nur, dass man eventuell schlechte Ernte hatte, sondern dass man auch drückende Abgaben natürlich abgeben musste. Es gab immer einen Lehnsherr oder ein Grundherr, der natürlich seinen Teil abhaben wollte. Und das ist ein Verhältnis, was in dieser Zeit im ausgehenden Mittelalter natürlich von großen Spannungen geprägt ist.

W: Ich habe da was unglaublich Spannendes gelernt bei der Vorbereitung für diese Ausstellung. Wenn wir heute was aussäen, dann kann ein Bauer damit rechnen, dass er die 20- bis 30-fache Menge erntet. Zu der Zeit damals war es nur doppelt oder fünfmal so viel. Jetzt nehmen wir mal an, es war eine schlechte Ernte, dann musste man schon die Hälfte von der Ernte zurücklegen für die Aussaat vom nächsten Jahr. Dann musste man davon noch Abgaben leisten, dann musste man vielleicht noch was verkaufen oder abgeben und vom Rest musste man selber leben. Das heißt, die Not konnte sehr schnell existenziell werden.

F: Und wenn wir uns die Gesichter auch schon von Bauern der damaligen Zeit anschauen, dann sehen wir eben diese gezeichneten Gesichter auch schon. Das ist nicht Leben, das ist vielmehr eigentlich Überleben.

W: Wobei man natürlich sagen muss, es gab nicht den einen Bauern, wir haben das vorhin schon gesagt, es war sehr unterschiedlich. Es gab von dem kleinen, leibeigenen Bauern, der wirklich nur die eigene Scholle bewirtschaftet hat, die er vom Kloster bekommen hat, dann musste er dazu noch Frondienste fürs Kloster leisten, bis hin zu relativ großen Bauern, die hohes Einkommen hatten. Also auch da, es ist nicht der Bauer an sich, sondern der Unterschied ist sehr groß. Man weiß übrigens aus der Aufstandsforschung, dass sich vor allen Dingen die Bauern aufgelehnt haben, oder diejenigen aufgelehnt haben, die etwas zu verlieren hatten. Also nicht die ganz Kleinen. Und vielleicht müssen wir noch was sagen, wenn wir heute an Landwirtschaft denken, dann denken wir an die Viehwirtschaft und wir denken an die Feldwirtschaft, was wir komplett vergessen, ist, dass Landwirtschaft damals auch Waldwirtschaft bedeutete. Und zwar nicht nur Bäume fällen, um sie zu Schiffen oder was auch immer zu machen, sondern Tiere in den Wald zu treiben. Wir sehen das wunderbar auf diesem Bild aus dem Stundenbuch des Duc de Berry, aus den Trébéléurs, wie dort die Schweine in den Wald getrieben wurden und versorgt wurden. Und das ist übrigens auch dann ein Streitfall im Bauernkrieg. Dürfen die Bauern die Schweine in den Wald des Herrn treiben? Dürfen die Bauern oder die einfachen Leute im Wald des Herrn Holz sammeln?

F: Und man muss sich auch so vorstellen, jetzt wenn man nach draußen liegt, sieht man überall Bäume, alles ist zugewachsen. So war das aber damals nicht. Vieles war runtergemäht, muss man sagen, weil man eben ganz viele eben durch diese Viehnutzung im Wald, eben auch die Bodenböden waren halt nicht so mit Laub und mit kleinen Sträuchern bedeckt, sondern das war alles eben einer Nutzung unterworfen.

W: Vielleicht einen ganz kurzen Blick noch in die Vitrinen. Wir sehen hier ein paar typische bäuerliche Geräte aus der Zeit, aber die stammen natürlich von viel später. Man kann aber tatsächlich sagen, und das wissen wir von Abbildungen, die Dreschflegel, die wir hier, oder die Rechen, die wir hier aus der Zeit aus dem 19. Jahrhundert haben, die sahen damals sehr, sehr ähnlich aus. Also eine wirkliche Revolution der Landwirtschaft gab es dann erst mit der Einführung des Kunstdüngers und mit der Einführung von Maschinen, mechanischen zunächst, aber dann vor allen Dingen auch solchen, die mit elektrischem Strom oder mit Motoren funktionieren. Das älteste Ausstellungsstück ist vielleicht dieser Spaten, der möglicherweise aus der Zeit um 1600 stammen könnte, der randbeschlagen ist, das ist also ein sehr altes Exemplar

C: Vielleicht sollte man noch was Grundsätzliches dazu sagen, von was für einer Bevölkerungsgruppe reden wir oder wie ist der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe, weil zur damaligen Zeit war der allergrößte Anteil der Bevölkerungsgruppe, war eben Bauern oder im bäuerlichen Alltag tätig und Adel, Klerus und Stadtbewohner waren nur ein geringer Anteil. Also wir sprechen von der Mehrheit der Bevölkerung.

W: Vollkommen richtig, Cajetan, man muss sagen, selbst in den Städten lebten viele entweder von der Landwirtschaft oder hatten landwirtschaftliches Nebeneinkommen. Man spricht nicht umsonst bei den kleineren Städten unter 1000 Einwohnern in der Zeit, und von denen gab es eine ganze Menge, hier in unserem Raum Dornhahn, Dornstetten, aber auch Sulz, Oberndorf, man spricht von Ackerbürgerstädten.

W: Ja, wenn man die Städte betrachtet, dann kann man ja auch sich die Karte hier anschauen auf der Tafel, dann sieht man, es gab eigentlich ein dichtes Netz von Städten über den ganzen Südwesten hinweg, auch in unserem Raum, auch zum Teil Kleinststädte und das ist einfach ein Riesenunterschied. Die meisten hatten zwar ein Stadtrecht, die meisten hatten auch ein Marktrecht, aber ob man jetzt in der Reichsstadt Rottweil lebte, wo es eine Bevölkerung von fast 4.500 Einwohnern gab, wo es viel Handwerk gab, wo auch viel Adel vor Ort war, wo mit dem Kaiserlichen Hofgericht eine Institution war, die dort fortwährend getagt hat oder in einer Stadt wie Dornstetten oder Dornhahn mit wenigen 100 Einwohnern, das ist was sehr Unterschiedliches. Und dann haben wir Städte, die haben eine andere Wirtschaftsstruktur, Sulz zum Beispiel, geprägt durch die Saline, durch die Salzproduktion, den Salzhandel, und auch Horb als Tuchhandelsstadt, die haben dann eine andere Wirtschaftsstruktur, und es ist also auch so, jede Stadt ist unterschiedlich. Was wir, glaube ich, hier bei uns in der Region merken, ist, dass die Städte, die eher landwirtschaftlich orientiert sind, nämlich Dornhahn, Dornstetten, dass die auch diejenigen sind, die sich am ehesten den Forderungen der sogenannten Bauern anschließen und sich dem Aufstand dann anschließen.

MUSIK

W: Schauen wir mal auf die Ebenen vielleicht derjenigen, die dann von den Aufständischen angegriffen wurden, oder?

F: Wir schauen uns erstmal die Klöster an. In unserer Gegend gab es zu der damaligen Zeit vor allem zwei große Klöster und mit großen Klöstern muss man wirklich sagen, wirklich regional bedeutsame Klöster. Das eine ist das Kloster Alpirsbach und das andere ist das Kloster Reichenbach. Zwei Klöster, die von wirklich größerer Bedeutung kommen. waren, weil sie eben, wir sehen es ja heute noch an den Bauten, eben auch viel Einnahmen hatten, viele Ländereien hatten, die eben bewirtschaftet werden konnten und mussten, aber die eben dann eben auch natürlich irgendwie Begehrlichkeiten von Seiten der Bauern erweckt haben, weil diese Bauern, die haben sich natürlich dann irgendwann auch gemerkt, das Kloster blüht, im Kloster da ist alles hübsch und schön, aber wir hier auf dem auf dem Boden, wir müssen quasi immer ums Überleben kämpfen. Eine Ungerechtigkeit, die natürlich so auf Dauer zu diesen Spannungen führen mussten, die natürlich ja einerseits zur Reformation geführt haben, aber eben auch in unserem Gebiet zu dem Bauernkrieg geführt haben.

W: Ich möchte noch ein drittes Kloster hinzufügen, das ist nämlich das Kloster Kirchberg, damit haben wir noch ein Frauenkloster, die ersten beiden waren Benediktinerklöster, Männerklöster, jetzt haben wir hier ein Dominikanerinnenkloster, aber auch diese Frauen waren in ihrem Territorien Grundherren, eigentlich müsste man vielleicht Grundfrauen sagen, aber man spricht von Grundherrschaft und als Grundherren haben sie abhängige Bauern gehabt, die nicht nur ihre eigenen Felder zum Stellen hatten, die nicht nur Abgaben zu leisten hatten, sondern auch sogenannte Frondienste zu leisten hatten, also Aufgaben wie zum Beispiel zweimal im Monat, in bestimmten Monaten den Acker ihres Grundherrn, nämlich das Kloster zu pflügen. Als kleine Nebenbemerkung, ich finde es total faszinierend, dass es in Glatt hier in der Ortschaft bis heute einen Fronmeister gibt, also jemand, der diese Aufgaben, die die Bewohner zu machen hatten, ursprünglich koordinieren sollte, heute koordiniert er nichts mehr, heute macht er es selber, aber diese Fronleistungen, das sollte man nicht unterschätzen, die letzten Fronleistungen wurden erst in den 50ern abgeschafft, das waren sowas wie, eigentlich die Kehrwoche ist vielleicht die letzte Fronleistung, die man noch heute erbringen muss, wenn man sie ganz ernst nimmt, aber ja diese Grundherrschaft, jetzt lachen wir darüber, aber die Grundherrschaft war nicht zu lachen und was interessant ist auch und wir werden es dann nachher auch in der Ausstellung sehen ist, das war höchst unterschiedlich, also die Abgaben, die die abhängigen Bauern zu leisten hatten, die unterschieden sich je nach Herrschaft und manche waren eben ja harte Hunde, wo die Bauern wirklich klein gehalten wurden und andere, bei anderen war das etwas großzügiger. E in anderer Grundherr zu der Zeit neben den Klöstern war der Adel und zwar auch da gibt es Riesen Unterschiede. Wir haben Kleinstadlige, Ritteradlige wie die Herren von Neuneck hier in Glatt, dann kommt vielleicht die nächste Stufe, das wäre sowas wie die Herren von Geroldseck, die immerhin mehrere Herrschaften, größere Herrschaften hatten zur Zeit des Bauernkriegs Sulz und dann sind natürlich auch die Grafen und Herzöge, also erst Grafen, später Herzöge von Württemberg, der Zeit des Bauernkriegs Herzöge von Württemberg, Adelige, Herrschaft und die üben hier Territorialrechte aus, beispielsweise in Dornhahn, beispielsweise in Dornstetten und die sind sogar, die haben noch eine Sonderfunktion, auch als Vögte von den Klöstern üben sie zum Teil auch über die Klösterherrschaftsrechte aus und man kann wirklich sagen, die haben sich darüber finanziert, Grundlage ihrer Herrschaft waren wirklich zum einen Teil die Abgaben der ihnen unterstellten Menschen und es waren im Regelfall Bauern. Adel hielt Gerichtsbarkeit ab, er war in der Zeit aber auch, das darf man nicht vergessen, ähnlich wie die Bauern eigentlich auch, stark unter Druck.

F: Der trifft vor allem die Kleinen, weil die Schere, im Adel driftet in dieser Zeit im Spätmittelalter weiter auseinander. Eben, wir haben es schon gehört, sowas wie die Herzöge von Württemberg, die natürlich über sehr, sehr viele Herrschaften verfügen und eben auf der anderen Seite kleine Adelige, die vielleicht nur noch über ein halbes Dorf verfügen. Und die müssen ein standesgemäßes Leben auch noch sicherstellen. Aber natürlich andere Möglichkeit war es natürlich, wenn man auch eine Möglichkeit hatte, vielleicht einen Sohn oder eine Tochter in einem Kloster unterzubringen, das war auch eine Möglichkeit. Ja, der Klerus, dass man ein Teil des Klerus wurde und natürlich ganz am Ende ganz klar der Kriegsdienst. Und der Kriegsdienst spielt für den Bauernkrieg eine ganz besondere Rolle, diese Adeligen, auch die regionalen Adeligen, die im Kriegsdienst waren, vor allem wenn es dann für den Schwäbischen Bund ging, dann waren das natürlich die Erzfeinde oder wir müssen mal sagen aus bäuerlicher Perspektive schon der Todfeind. Und wenn man sich auch hier den Holzschnitt von Albrecht Dürer anschaut und da die Abbildung des Ritters sieht, dann sieht man eben eine Gestalt, die eben nicht von Zimperlichkeit geprägt ist, sondern eben, wir merken auch, dass diese Adeligen das nicht nur so Frohnaturen, sondern das sind auch Leute, die mit äußerster Härte auch gegen andere vorgehen, wenn man ihnen im Wege steht.

MUSIK

W: Vielleicht schauen wir uns zwei Sachen noch an zum Thema Adel, einerseits finde ich wirklich ein wunderbares Beispiel, diese Ofenkachel hier, die ist zwar schon etwas älter, aber sie zeigt, wie der Adel sich selbst darstellen wollte, wie er sich repräsentieren wollte. Dieses ritterliche Paar, was sich hier gegenübersteht, man hat dann eben nicht sich mit einem einfachen Ofen begnügt, nein, der Ofen, der sollte verziert sein und hier in diesem Fall sogar eben dann ganz konkret mit einem adeligen Paar und das Zweite, was wir uns glaube ich anschauen könnten, wäre mal eine Person. Dazu gehen wir in diesen Turm hier rein, wir finden hier eine schöne Szene, auch aus der Weissenauer-Chronik des Abts Jakobs Murer, Weißenau liegt nicht bei uns im Gebiet, aber es ist die einzige bebilderte Bauernkriegschronik dieser Zeit, deswegen kommen wir auch nicht ganz um sie drumherum, aber schauen wir uns einen Adeligen an, der nämlich genau von hier kommt.

F: Ja, Hans Oswald von Neuneck hat das Besondere, der kommt nämlich eben, wie wir es davor schon ein bisschen erörtert haben, einerseits natürlich aus dem Adelsgeschlecht derer von Neuneck, aber vor allem, und das ist die Rolle, die er hier einnimmt und wo er dann im Prinzip auch eine Doppelrolle spielt, ist, er ist der Obervogt am Schwarzwald…

W: Der Württembergische Obervogt am Schwarzwald!

F: …ein mächtiger Titel, weil der Obervogt am Schwarzwald hatte gleich verschiedene Unterämter unter sich und das ist eben, dass er eben nicht nur Dornstetten unter sich hatte, sondern eben auch Sulz, Wildberg, eben hier diesen gesamten Raum unter sich verwaltungstechnisch unter Kontrolle hatte und dabei aber auch natürlich auch die weltliche Herrschaft ausgeübt hat und er ist im Prinzip einer, der verhindern muss, dass es weiter dieser Aufstand hier der Bauern in der Region weiter vorangeht und wir merken aber auch gleich dort bei ihm, er versucht es am Anfang, er sagt, hätte er nur 50, 60 Pferde, um die Bauern auseinanderzutreiben, dann würde er das machen, aber diese Macht hat er nicht und eben, wir merken, trotz dieses gewaltigen Postens dieser großen Macht hat er diese Möglichkeiten nicht gehabt. aaDrehen wir uns auf die andere Seite, sehen wir noch dazu eben, für wen war er denn unterwegs, dieser Hans Oswald von Neuneck, Hans Oswald von Neuneck war für Württemberg im Dienste Württembergs, aber Württemberg ist ein Staat, heutzutage im Namen Baden-Württemberg für alle logisch, aber aus damaliger Zeit ist das eben eine von mehreren Landesherrschaften, hier im Südwesten Deutschlands. Es ist die mächtigste oder eine der mächtigsten, aber eben noch nicht die einzige. Und zwar Württemberg war eben in dieser Zeit einem extremen Wandel unterworfen. Wir sehen einerseits 1495 Württemberg bis dahin Grafschaft wird zu einem Herzogtum erhoben, also wirklich eine Erhebung des Standes. Wir haben aber gleichzeitig eben auch andere Faktoren, die da mit reinspielen. Wir sind in einer Zeit, wo diese ganze Herrschaft, diese ganze Verwaltung einem starken Wandel unterworfen ist. Bis ins ausgehende Mittelalter war Verwaltung noch nicht so stark durch Papier geprägt, aber im 15. Jahrhundert ist es die Zeit auch, wo eben Verwaltung, was man immer mit so alten Rechten, vieles war mündlich, dann auf einmal wird ganz, ganz viel mehr schriftlich gemacht. Eine Verschriftlichung, die natürlich auch auf die Bauern zurückgewirkt hat, weil die Bauern, die bis dahin eben ihre Rechte immer mal wieder aushandeln konnten, dann aber auch schriftliche, fixierte Dokumente in der Vergangenheit und eben Abgaben, die dann auch schon mal schriftlich fixiert waren, auch dingfest gemacht wurden und es gab da kaum ein Entrinnen.

MUSIK

W:. In dem nächsten Raum haben wir nämlich Karten, Karten aus Württemberg und die sind jetzt in der Zeit nach dem Bauernkrieg. Sie sind vielleicht auch eine Folge des Bauernkriegs, weil im 16. Jahrhundert wirklich begonnen wird, den Raum zu organisieren, Herrschaft zu organisieren und das durch Karten zu verdeutlichen und das zeigen eigentlich diese Forstkarten wirklich und vielleicht schauen wir uns einfach ein, zwei Karten mal etwas genauer an, oder?

F: Ja, dann fangen wir vielleicht mit dem so Nagolder Forst samt dem Waldgeding. Wir sehen eine Karte hier, wo wir quasi zwei verschiedene Forste abgebildet haben. Einerseits die Nagolder Forst, einen klassischen herrschaftlichen Forst, einen klassischen Forst, der auch dem Hause Württemberg gehörte und dann eben noch das Waldgeding, einen zweiten Forst auf derselben Karte abgebildet, das Waldgeding. Wir werden es in späteren Räumen noch sehen, das ist eben ein Forst, der ja eine gewisse Autonomie hatte.

W: Ja, dann schauen wir uns auf der gegenüberliegenden Seite noch eine Karte an und zwar ist es die Forstkarte der Ämter Sulz, Rosenfeld, Balingen und Tuttlingen. Da merkt man, in dieser Gegend war die württembergische Besitzung schon etwas verstreuter und man sieht, dass auch zwischendurch immer die anderen Herrschaften eingezeichnet wurden, etwa die österreichische Herrschaft, aber auch die Grafschaft Zollern oder die Herrschaft der Herren von Zimmern rund um Oberndorf. Und man kann hier auch ganz gut sehen, wie diese Karten funktionieren, nämlich die einzelnen Forstgebiete der Württemberger sind jeweils umrandet und die Orte insgesamt sind markiert. Orte mit einem gelben Punkt sind württembergisch und Orte mit einem roten Punkt unterstehen anderen Herrschaften. Wir haben da ein wunderbares Beispiel, wenn ich das noch anfügen darf, dass man das manchmal dann aktualisieren musste. Wir haben hier nämlich die Karte des Baiersbronner Forstes, die ist Ende des 16. Jahrhunderts geschaffen worden und dann kam Anfang des 17. Jahrhunderts das Kloster Reichenbach zu Württemberg und damit musste man die Karte aktualisieren und dann hat man sie eben nochmal gemacht, diesmal auch mit den Waldungen des Klosters Reichenbach.

C: Sollen wir jetzt einen Raum weiter gehen in den Fürstensaal?

W: Das machen wir.

MUSIK

C: Jetzt sind wir im Fürstensaal von Schloss Glatt, wo die Ausstellung weitergeht. Spannend im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg ist, dass dieser Saal in dieser Zeit noch gar nicht Bestand hatte, weil der wurde erst im 17. Jahrhundert gebaut. Und wenn wir jetzt links die erste Tafel anschauen, dann stehen wir vor Sebastian Lotzer, eine einflussreiche Person aus Horb und da könnt ihr vielleicht noch ein bisschen was dazu sagen.

F: Wir denken den Bauernkrieg hier bei uns in der Region meistens ab April 1525, aber das ist im Endeffekt falsch, weil der erste Akteur des Bauernkriegs aus unserer Region ist Sebastian Lotzer und zwar weil er vor allem an der Veröffentlichung und an dem Redigieren der zwölf Memminger Artikel den wichtigsten Dokument der Bauern bereits 1524 mitgewirkt hat und damit im Endeffekt auch einen wesentlichen Grundstein nicht nur für den Bauernkrieg hier in der Region gesetzt hat, sondern für den Bauernkrieg im Heiligen Römischen Reich als Ganzes.

W: Die Memminger Artikel wurden erst 1525 veröffentlicht, aber Lotzer war tatsächlich seit 1523 als Verfasser von Flugschriften aufgefallen, zwei hat er sogar in seine Heimatstadt geschickt, eine an die Heimatstadt, in der es schon eine kleine evangelische Gemeinde gab und eine ganz konkret an seinen Vater. Wenn man jetzt aber sieht, dass die Flugschriften gedruckt wurden in Augsburg, dann merkt man, okay, es war vielleicht doch nicht nur für Horb und für den Vater, sondern er wollte von Anfang an ein größeres Publikum und mittlerweile gilt er sogar der Forschung als Hauptverfasser der Memminger Artikel. Und da sollte man vielleicht noch sagen, wer er ist, er ist Laientheologe. Er hat vielleicht studiert, darüber streitet die Forschung, aber er war vor allen Dingen Kirchner, also Handwerker. Er hat aber so ein großes Wissen sich angeeignet und war so engagiert in diesen Diskursen der Reformation drin. Hier zeigt sich, dass eigentlich der Bauernkrieg ohne Reformation nicht zu denken ist. Bei ihm ist so viel reformatorischer Einfluss spürbar, dass er dann eben in diesen zwölf Artikeln, entweder als Redaktor oder als Hauptverfasser, wirklich das Grundsatzprogramm der Bauern zusammengestellt hat.

F: Umso erstaunlicher, dass Horb heutzutage so katholisch ist, obwohl wir einen dahaben, der Reformation eigentlich so früh dahergebracht hat, das ist doch eigentlich erstaunlich, oder nicht?

W: Wir werden es noch hören, auch im Bauernkrieg war in Horb nicht viel los.

F: Wenn wir an die Anfänge des Bauernkriegs denken, dann müssen wir uns nach Alpirsbach begeben. Am 10. April 1525, das ist der Beginn des Bauernkriegs in der Region. Und zwar in dem Moment, eine Gruppe von Bauern vor dem Abt gestanden ist und protestiert hat und mit den Abgaben einfach nicht mehr zufrieden war. Schon am Tag darauf versammeln sich dann die Bauern unter Thomas Mayer, den wir hier wirklich auch als den Führer des Bauernhaufens ansehen können auf dem Vogelsberg in der Nähe von Loßburg, auch im Nordschwarzwald und das ist der Grundstein des Aufstandes mit 150 Bauern.

W: Ja und interessant ist, dass dieser Thomas Mayer allerdings kein Bauer ist, sondern er ist ein Kriegsmann, wie die Zimmerische Chronik uns informiert, der überall die Bauern aufgewiegelt hätte. Ja und damit sehen wir schon, wir sprechen von Bauernkrieg, aber diese Trägerschicht, die ist weitaus diverser. Thomas Mayer, das wissen wir aus einem Verzeichnis, hatte das größte Haus in Loßburg, in seinem Heimatort. Es wurde mit 20 Gulden versteuert. Das war also nicht jemand, der unbedingt am Hungertuch nagte, sondern es war jemand, der Krieg konnte und der als Söldner oder Kriegsmann schon sehr, sehr viel Erfahrung hatte. Vielleicht schauen wir mal schnell in die Vitrine, weil hier tatsächlich ja das einzige Dokument erhalten ist im Original, ein Brief, den Thomas Mayer mit verfasst hat. Wahrscheinlich hat er ihn nicht eigenhändig geschrieben, das eher nicht, aber sein Name steht drunter, Thomas Mayer von dem Schwarzwald. Also Thomas Mayer aus dem Schwarzwald und den Brief hat er verfasst, gemeinsam mit einem anderen Bauernanführer, Hans Hebling, dann schon einen Monat, fast einen Monat nach diesem Anfang in Alpirsbach, als sie merkten, jetzt brauchen wir Unterstützung, aber da kommen wir noch drauf zurück.

F: Daneben haben wir den Abt Ulrich Hamma, er ist auch das erste Opfer des Bauernkriegs. Die Bauern waren dann mit dem Abt nicht einverstanden, der Abt ist auch nicht sofort eingeknickt. Was haben die Bauern gemacht? Di e haben den Abt festgenommen und den Abt im Endeffekt auch in dem Moment von dieser herrschaftlichen Position, die er bis dahin hatte, aufgehoben.

W: Wie würdest du das beurteilen? Ist das ein Gewaltakt der Bauern gegen den Abt, gegen das Kloster?

F: Also er kann froh sein, dass er nicht gleich bei dieser Aktion umgekommen ist. Er wurde nur dingfest gemacht, aber wir müssen uns das so vorstellen, nicht als ein friedliches Anklopfen an der Tür des Klosters nach dem Motto, ja lieber Abt, sei uns ein bisschen gnädig entgegen, sondern die nehmen das Kloster wirklich ein und nehmen diesen Abt wirklich fest in einem ersten Akt der Gewalt bei uns in der Region.

W: Das Kloster auch, das ist ja letztlich zwar nicht gegen Personen, aber gegen Dinge auch irgendwie ein Gewaltakt, die lassen ordentlich was mitgehen, Korn, Wein bedienen sich da dran. Was macht der Abt dann?

F: Der Abt, dem geht es natürlich dann nicht so gut. Der Abt, der flüchtet natürlich dann.

W: Und er flüchtet tatsächlich nach Rottweil, da werden wir nachher darauf noch zurückkommen, was die Menschen dort gemacht haben, aber er hat dann gemerkt, der Anfang des Bauernkriegs war ja noch ganz guter Dinge, dass das irgendwie vorbeiziehen würde, dass das doch nicht so ein, ja dass das doch nicht nur einfach ein Fähnchen ist, was dann schnell umfällt, sondern dass diese Bauern es ernst meinen.

F: Und dass das Kloster so schnell in Bauernhand gefallen ist, hat natürlich die anderen Bauern in der Region auch animiert, weil die gesehen haben, naja, das geht ja doch vielleicht etwas schneller und eine Reaktion kam ja im ersten Moment auch keine richtige gegenüber den Bauern, was dazu geführt hat, dass der Bauernkrieg sich dann in der Region ausgeweitet hat.

W: Und genau das ist Thema hier im Saal, also wir gehen ausgehend von Alpirsbach, können wir einfach verschiedene Stationen durchgehen, das ist nicht immer in chronologischer Reihenfolge, sondern wir haben hier verschiedene Städte, verschiedene Burgen und Adelsherrschaften, noch ein anderes Kloster angeschaut und ja würde ich sagen, starten wir einfach hier, weil es auch hier am nächsten ist, mit Dießen, oder?

F: Genau, Hohen Dießen ist eben auch eine dieser Burgen, die dem niederen Adel hier in der Region gehört hat und eben diese Burg, es gehört eben auch zu den Burgen, die dann eben diesen Bauernkrieg und als erstes zum Opfer gefallen ist.

W: Also der saß da in Dießen und weiß man das, wie das da vorgegangen ist?

F: Tja, wie das immer ist mit diesen Informationen aus dem Bauernkrieg, wir haben im Endeffekt ja immer nur Informationen, die uns danach mitgeteilt wurden, aus Chroniken, aus Schriftstücken, die im Endeffekt nur immer erahnen lassen, was dort passiert. ist. Aber die Ehinger, die dort dieses Schloss, dieses Besessen haben, die sind aber keine Unbekannte in diesem ganzen bäuerlichen Kriegsgeschehen, weil schon aus der Zeit, in dieser Zeit auch darüber berichtet wird, dass eben, ja, da zwei Ehinger eben auch damit beschäftigt sind, ja, Bauerndörfer niederzubrennen. Und deswegen war es auch naheliegend, naja, dass man sich denen auch als erstes widmet. Ob diese Information mit dem Niederbrennen wirklich stimmt oder nicht, das bleibt der Legende überlassen.

W: Aber spannend ist ja, dass wir hier ein ganz tolles Exponat haben, dass wir hier eine Predella haben, eine sogenannte Predella, also ein Teil eines Altars und dass auf der eine ganze Reihe von adeligen Mitgliedern der Familie von Diesen abgebildet sind, nämlich links die Männer, rechts die Frauen und da sehen wir dann eben auch genau die beiden Herren von Dießen, die wir auch im Bauernkrieg sehen, können wir durch die Beschriftung identifizieren, Hug Werner und Hans von Dießen, die dort knien als Stifter dieses Altars. Also, ja, ein adeliges Selbstporträt, nicht, aber ein zeichenartiger Selbstrepräsentation. Jetzt wollen wir uns mal anschauen, wie haben die denn miteinander gekämpft und ich glaube, da gibt es keinen größeren Experten als Cajetan Schaub für das Thema. Der Herr über die Rüstkammer in Schloss Glatt. Was sehen wir denn in dieser Vitrine hier, was sehen wir dort für Waffen, was sehen wir überhaupt hier im Raum für Waffen?

C: Ja, du hast das ja schon angesprochen, die haben gekämpft, wir haben das Thema Krieg, da spielen natürlich Waffen und Rüstung eine entscheidende Rolle und hier muss man sagen, da gab es natürlich deutliche Unterschiede zwischen der einen Seite der Bauern und der anderen Seite des Adels oder der Privilegierten. Die Bauern haben meistens Waffen aus Werkzeugen gemacht, sei es, man hat einen Dreschflegel genommen, man hat eine Sense genommen. Wir sehen hier im Raum nicht, aber im nächsten Raum sehen wir auch bäuerliche Stangenwaffen und was ganz spannend ist, was wir hier im Raum sehen, das sind die sogenannten Bauernwehren.

W: Also direkt in der Vitrine in der Mitte, ne?

C: Genau, die Bauernwehren sind lange Messer, das ist eine Hiebwaffe, einschneidig im Unterschied zum Schwert, das ja zweischneidig ist, aber Schwert ist das Privileg des Adels und die bzw. die einfache Landbevölkerung wollte sich ja auch irgendwie bewaffnen und deswegen haben sich gerade im Spätmittelalter die sogenannten Bauernwehren entwickelt und die spielen auch mit eine entscheidende Rolle während des Bauernkrieges als Waffen.

W: Und weiß man jetzt bei denen, dass die aus der Zeit des Bauernkrieges kommen und woher die kommen?

C: Das weiß man bei denen genau, das sind Leihgaben von dem Freiherr Burkhard von Wachendorf, das ist ja auch hier aus der Region und der hat uns die freundlicherweise für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt. Während wir auf dieser Seite in dieser Vitrine die Bauernwehren haben, haben wir auf der anderen Seite eine andere große Vitrine, da sieht man eher die adeligen Waffen bzw. die Waffen des adeligen Heeres. Einerseits einen Streitkolben, das ist eine Reiterwaffe des Adels oder was natürlich auch ganz entscheidend ist, das sind die Feuerwaffen, die ja zu dieser Zeit immer mehr eine wichtige Rolle spielen. Wir haben hier in dieser Vitrine eine große Hakenbüchse aus dem 16. Jahrhundert. In dem Zusammenhang muss man vielleicht sagen, die Bauern haben auch einige Waffen dann letztendlich erbeutet, also Feuerwaffen erbeutet, auch hier im Schloss Glatt, aber problematisch war, dass viele damit nicht umgehen konnten, weil da brauchte man eine gewisse Kriegserfahrung, eine militärische Ausbildung und deswegen gab es dann letztendlich auch durch diese Waffen diese Niederlagen am Schluss, weil die verschiedenen Heere unterschiedlich bewaffnet waren und unterschiedlich ausgebildet waren. Bei unserem Bauernhaufen hier vor Ort, mit dem Thomas Mayer, war es vielleicht entscheidend, insbesondere auch vielleicht bei der Einnahme von Sulz, dass er als Kriegsmann eine gewisse Erfahrung hatte, die andere Bauernhaufen natürlich nicht hatten.

W: Wir gucken uns das gleich mal ein Beispiel an, wo es den Bauern gelungen ist, eine Burg einzunehmen, das wäre die Mandelberg bei Bösingen. Bösingen nicht im Landkreis Rottweil, sondern Bösingen im Landkreis Freudenstadt.

F: Heute ist von der Mandelberg nichts mehr übrig. Mandelberg ist im Endeffekt nur noch eine Ruine und das hat eben genau mit dem Bauernkrieg auch zu tun. Wir sehen hier verschiedene Exponate und wir sehen auch hier gleich bei diesen Exponaten, wenn wir in die Mitte schauen, bei den adeligen Objekten aus Glas und aus Ton, dass diese kaputt sind. Und zwar, das hängt damit zusammen, dass diese Burg von den Bauern auch geplündert und zerstört wurde. Und mit welcher Gewalt das vor sich ging, sieht man auch, wie diese filigranen Objekte, diese wirklich wertvollen Objekte im Endeffekt heutzutage nur noch in Scherben für uns überliefert sind.

W: Sehr faszinierend, auf der Burg gingen natürlich immer Sachen kaputt, hat man dann einfach in den Graben geschmissen. In dieser anderen Vitrine, der gleich links des Eingangs, in der wir auch schon den Brief von Thomas Mayer gesehen haben, dort sind Objekte drin, die waren in einer Truhe, die genau bei diesem Angriff 1525 verbrannt wurde. Und zwar ein Fingerhut und Stecknadeln und so eine Gewandapplique, also was, was man sozusagen hatte, um auch ein Gewand zusammenzuhalten. Das ist wirklich ganz faszinierend, da kann man wirklich genau sagen, das ist 1525 kaputtgegangen. Ja, dann gehen wir weiter zum nächsten Ort. Und da sind wir jetzt bei einem Kloster, nämlich bei Kloster Reichenbach.

F: Genau, das zweite große Kloster. Und wir haben tatsächlich hier ein ganz, ganz besonderes Exponat auch, was jedem sofort ins Auge fällt. Und das ist eine Chorwange aus dem Kloster Reichenbach. Chorwange heißt, das ist ein Seitenteil einer Bank. Und wir sehen eben auf dieser Chorwange, auf diesem Seitenteil, eine wirklich prächtige Verzierung. Und wir müssen auch sagen, das ist eines der ältesten Exponate, die hier ausgestellt sind in unserer Ausstellung. Und zwar, weil diese Chorwange bereits aus dem 14. Jahrhundert stammt und damit wirklich fast 700 Jahre alt ist. Und wir erkennen trotzdem heute noch ganz, ganz toll, dass das mal wirklich einer prächtigen Innenausstattung aus dem Kloster gehörte.

W: Und das ist, muss man sagen, was Besonderes, weil das Kloster, wir haben es zwar schon mal ganz kurz angesprochen, wurde 1603/04 Württemberg unterstellt und dann reformiert, also von katholisch zu evangelisch gemacht. Das Kloster wurde aufgelöst und in der evangelischen Dorfkirche umgewandelt. Und dann hat man ja viele von diesem katholischen Pomp und Firlefanz, den hat man dann eben aussortiert. Und dass sich eben doch noch was von diesem mittelalterlichen Chorgestühl erhalten hat, ist wirklich was Besonderes. Und vielleicht kann man dazu sagen, wir haben es hier hochgetragen, es ist ziemlich schwer, es ist Eiche, wenn ich es richtig sehe. Und ja, es ist vielleicht sozusagen eines der wenigen Inneneinrichtungsstücke dieses Klosters, wenn nicht das Einzige, was wir noch haben heute. Jetzt gehen wir von der Vitrine nochmal ein Stück zurück im Raum, wieder fast zu der Tür, zu der wir reingekommen sind und wenden uns der Stadt Dornstetten zu.

F: Mit Dornstetten haben wir eine ganz besondere Sache, weil wir haben einerseits Dornstetten die Stadt, dann haben wir noch das Amt Dornstetten und dann haben wir schlussendlich noch das Waldgeding. Das Waldgeding ist nochmal so eine dritte Ebene, die wir uns gleich anschauen, die nochmal was Neues reinbringt, was wir bis jetzt im Bauernkrieg hier noch nicht gesehen haben.

W: Dann beginnen wir nochmal mit Stadt und Amt.

F: Die Stadt Dornstetten ist im Endeffekt, wie viele Städte, in unserer Region. Wir können auch zum Beispiel an Oberndorf oder Dornhahn denken. Eine typische Amtsstadt hier in der Region. Und die Amtsstadt wird quasi von einem Bürgermeister geleitet. Und vor allem haben wir aber dort auch den Untervogt sitzen. Der Untervogt, das ist der Vertreter der Herrschaft, in unserem Fall Martin Epp. Und Martin Epp ist ja auch mit diesem Bauernkrieg, diesen Aufständen, die wir in Alpirsbach dann schon gesehen haben, eigentlich hoffnungslos überfordert. Er und der Obervogt, sie suchen nach Möglichkeiten, vielleicht nur um mit den Bauern zu verhandeln. Und im Endeffekt knickt er relativ schnell ein und übergibt Dornstetten den Bauern, eigentlich komplett kampflos.

W: Und weiß man, was in Dornstetten dann passiert ist, nachdem Dornstetten an die Bauern übergeben wurde?

F: So richtig, was da passiert ist, wissen wir nicht. Was wir aber wissen ist, Kämpfe haben keine Stadt gefunden. Sondern wir haben eine Stadt, die wirklich dann in Bauernhand kommt. Und wir haben ein ganz, ganz besonderes Zeugnis aus dem Bauernkrieg, weil wir sprechen immer über die Memminger Artikel, die zwölf Artikel. Und in Dornstetten haben wir eigene Artikel.

W: Da müssen wir nochmal zu unserer Klimavitrine gehen. Also nochmal an der Tür vorbei zu der Vitrine hier, der etwas dunklen Vitrine, damit das Licht die Dokumente nicht angreift.

F: Und wir hatten gesehen auf der rechten Seite der Brief von Thomas Mayer. In der Mitte die Objekte, die im Bauernkrieg verbrannt sind. Und dann sehen wir auf der linken Seite die so genannten Dornstetter Artikel. Und wir sehen auch oben, ganz schön ist auch von Artikeln die Rede und nicht, das ist kein Kunstbegriff aus späterer Zeit, sondern sie heißen auch wirklich Artikel. Und in diesen Artikeln werden auch Beschwerden wirklich kundgetan.

W: Was sind das denn jetzt für Beschwerden?

F: Beschwerden haben wir natürlich aus dem Bereich Wald, die Waldnutzung. Das geht immer wieder um dieses Thema Waldnutzung. Dann ein zweites Thema, was für uns vielleicht heute etwas abstrakt wirkt, ist die Kirche. Die Kirche. Man hat sich über den Kirchendienst sehr lautstark beschwert. Man hat sich beschwert darüber, dass ja an besonderen Festtagen wie Hochzeiten nicht genug Priester zur Verfügung standen. Das Seelenheil war für die Menschen in Gefahr. Die Herrschaft stellt nicht nur nicht genügend kirchliches Personal zur Verfügung, um das Seelenheil der Menschen sicherzustellen. Und natürlich die dritte große Forderung, das was wir immer wieder hören, Abgaben. Erdrückende Abgaben, die die Bauern ja wirklich hart in die Mangel genommen haben.

W: Und wie würdest du jetzt sagen, in welchem Verhältnis stehen diese Dornstetter-Artikel zu ihrem großen Bruder, den Memminger-Artikeln? Gibt es da überhaupt eine Beziehung? Was kann man dazu sagen?

F: Wir müssen natürlich davon ausgehen, dass die Dornstetter die zwölf Artikel, die Memminger-Artikel auch kannten. Was wir hier sehen ist natürlich, dass das viel näher an der Lebensrealität der Menschen ist. Das sind weniger, sage ich mal, programmatische große Leitlinien, die man formuliert, sondern konkrete Probleme, die man anspricht.

W: Was hat das Ganze jetzt mit dem von dir schon erwähnten Waldgeding zu tun? Ich glaube, jetzt müssen wir hier unsere Prozession wieder zurück machen zu der Tafel, auf der steht recht unter freiem Himmel, das Waldgeding.

F: Das Waldgeding ist eine ganz große Besonderheit für uns im Nordschwarzwald, weil das Waldgeding bringt uns an die gedanklichen Ursprünge des ganzen Bauernkrieges. Warum haben wir denn Bauernkrieg überhaupt in unserer Region? Das hängt wesentlich damit zusammen, dass Freiheitsgedanken in unserer Region und vor allem in so etwas wie dem Waldgeding oder wir gehen auf die andere Seite des Nordschwarzwaldes Richtung Hamersbach, das Freie Reichstag Hamersbach, so eine Art kleine Bauernrepublik, dass die Bauern, die in diesem Waldgeding lebten, eben ja ein Selbstbestimmungsrecht hatten. Sie durften selbst über diese Rechte in diesem Waldgeding mitbestimmen. Eine Form von Freiheit, die für diese Bauern von großer Bedeutung war und dort gab es schon solche Gedanken von Freiheit. Genau Freiheit, die unter Herzog Ulrich, aber auch unter den Österreichern natürlich massiv unter Beschuss waren und dann natürlich eine wesentliche Motivation waren, diese bedrohten Rechte zu verteidigen. Und deswegen war die Region da im Nordschwarzwald natürlich für die Bauern, ja wie soll man sagen, für diese bäuerlichen Ideen besonders empfänglich.

W: Und ich glaube, das kann man auch hier in der Vitrine sehen mit den Exponaten.

F: Wir haben hier die Verkündung des Waldgerichts oder Waldgedings im Original und das ist im Endeffekt die Rechtsgrundlage, auf der sich diese gesamten Rechte, die die Bauern in dieser Region hatten, auch gestützt hatten. Wir sehen auch, das Ganze ist nicht etwas, was einmal gemacht wurde und dann hat das schon so gepasst, sondern es ist etwas, was in diesem Kontext auch sich auf über Jahrzehnte, nein Jahrhunderte auch so weiterentwickelt hat. Unten sehen wir das Grüne Buch oder den Grünling. Und wir haben hier unten die Abschrift und zwar nicht nur der Verkündung des Waldgerichts, sondern über alle Rechtssätze, die darauf folgten. Alle Entscheidungen wurden in diesem Buch dokumentiert und dieses Dokument hat im Endeffekt immer fortlaufend diese Rechte, die die Bauern in dieser Gegend hatten, weiter dokumentiert.

W: Das ist, ja, sieht man schon, ein ganz schön dickes Buch. Dann gehen wir noch mal ein Stück weiter und wir treffen auf einen der wenigen Frauen in unserer Ausstellung, muss man sagen. Das ist nicht, weil wir uns, ja, weil wir keine Frauen reinnehmen wollten, sondern weil die Quellen von sehr wenigen Frauen sprechen. Die meisten Urfehden wurden von Männern beschworen. Ja, schöner ist es, dass wir tatsächlich eine Urfehde haben, die von einer Frau geleistet wurde, nämlich von einer Frau namens Endlin Mura. Sie nennt sich selbst in der Urkunde, bezeichnet sie sich als Witwe eines Jos Muras und sie wird am 13. Juni 1527 gegen das Schwören dieser Urfehde aus dem Gefängnis entlassen.

F: Das muss ja schon ziemlich übel gewesen sein, was sie gemacht hat.

W: Tatsächlich ist es übel gewesen und das merkt man auch daran, dass das eine der spätesten Urfehden ist, die wir haben. Also sie saß über zwei Jahre in Haft. Viele andere wurden nach einem halben oder sogar nur wenigen Jahr oder nur wenigen Monaten freigelassen. Sie saß fast zwei Jahre in Haft und die Urkunde schildert ihre Tat ganz genau. Nachdem nämlich die Aufständischen Dornhahn eingenommen haben, sei sie zum Gefängnis gelaufen, habe dort mit eigener Hand das Schloss abgerissen an der Tür, an der Gefängnistür und habe den dort inhaftierten Pfarrer Heinrich Wölflin befreit. Wir wissen aus anderen Quellen, dass dieser Heinrich Wölflin offenbar der Reformation zuneigte. Damals war Württemberg und damit auch Dornhahn, wo das passierte, noch katholisch, der später evangelisch geworden und dass sich dieser Heinrich Wölflin dann sogar den Bauern angeschlossen hat. Also wir sehen hier eine Frau, die in dieser Situation dann wirklich die Gelegenheit ergriffen hat, gehandelt hat und die als Witwe offensichtlich auch einen gewissen Stand hatte und die Dinge in die Hand genommen hat und tatsächlich dann den Pfarrer dort befreit hat.

F: Und was ist mit ihr passiert? Also diese Urfehden sagen ja immer, das oder das muss gemacht werden. Da gibt es ja auch Urteil. Was musste sie machen?

W: Sie hat tatsächlich die härteste Strafe bekommen. Sie musste das Land verlassen. Sie musste schwören, dass sie nie wieder, das Herzogtum Württemberg betreten würde.

F: Und danach? Haben wir was von ihr gehört?

W: Leider verliert sich ihre Spur dann wie so oft aus den Quellen. Das muss man sagen. Die allermeisten dieser Urfehdeleistenden, von denen hören wir danach nichts mehr. Wäre spannend. Ich glaube, man könnte einen tollen Film über ihre Tat da drehen. Müsste man aber ein bisschen Fantasie walten lassen.

F: Also, wir verabschieden uns jetzt aus dem Fürstensaal, gehen durch die Tür, die Treppenstufen nach oben, geradeaus, zweimal links um die Ecke in den Raum, der sich mit dem Schloss Glatt befasst.

MUSIK

C: Hier sind wir jetzt in einem Seitenraum, der beschäftigt sich mit dem Thema Herrschaft Glatt und Schloss Glatt, weil Schloss Glatt hat da während dieser Thematik Bauernkrieg auch eine entscheidende Rolle gespielt. Insbesondere rechts neben mir sehen wir eine Person und zwar Reinhard von Neuneck, der die Herrschaft Glatt als Ortsherr besessen hat. Und Reinhard von Neuneck spielt auch eine wichtige Rolle im Bauernkrieg, aber nicht hier vor Ort, sondern im Ries. Der war nämlich in pfalzgräflichem Diensten und musste da im Ries den Bauernkrieg niederschlagen, während hier natürlich in Schloss Glatt und Herrschaft Glatt auch einiges passiert ist.

W: Also im Nördlinger Ries, nördlich von Ulm?

C: Genau. Und er hat dann praktisch sein Schloss seinem Bruder überlassen. Der musste aber auch hier abrücken und hat dann das Schloss Glatt einer Burgmannschaft überlassen. Und da war ziemlich schnell klar, dass diese Burgmannschaft das Schloss Glatt kampflos übergeben wird. Und so wurde das Schloss Glatt dann im April 1525 besetzt und es wurde natürlich auch geplündert. Das Schloss selber, mit dem ist nichts passiert. Da gab es dann eine von den bäuerlichen Haufen dann eingesetzte Burgmannschaft, aber es wurde natürlich leergeräumt. Also sowohl Essen wurde rausgenommen, als auch natürlich, was wichtig war, Waffen und Munition. Und diese Waffen und die Munition spielten dann nachher eine entscheidende Rolle, nachdem die Stadt Sulz dann belagert wurde und später dann auch eingenommen werden konnte. Und hier ist natürlich ganz spannend, was wir in der Vitrine drin sehen können. Hier sind einige Sachen aus dieser Zeit. Insbesondere sehen wir wieder Schuhe, die aus dem 16. Jahrhundert sind. Und das ist ja auch etwas ganz Besonderes vom Schloss. Und zwar ist es ein sogenannter Zwischenbodenfund. Die Böden waren ja früher hohl. Da hat man in viele Bereiche einfach nur Schutt reingeworfen. Man kennt das beispielsweise, so Zwischenbodenfunde auch vom Kloster Alpirsbach. Da hat man aber alles Mögliche gefunden. Und hier haben wir einen Bereich, wo man Schuhe gefunden hat. Und zwar nicht nur Schuhe, die jetzt aus dem 16. Jahrhundert sind, sondern auch spätere Schuhe. Also von dem her was ganz Besonderes.

W: Das heißt, man hat wirklich über Jahrhunderte hinweg dann die Schuhe in diesen Zwischenboden geworfen?

C: Richtig. Und wir wissen leider heute nicht mehr, warum er das gemacht hat. Ob das so eine Thematik Aberglaube ist oder nicht. Es gibt solche Schuhfunde in Deutschland drei oder vier. In Europa gibt es fünf oder sechs. Also es ist etwas ganz Besonderes und Spezielles. Und so konnten wir jetzt natürlich auch Originalschuhe aus dieser Zeit darstellen, die ziemlich sicher auch hier im Schloss Glatt getragen wurden.

F: Du hast vorhin davon gesprochen, geplündert. Und ich sehe einfach nur was Goldenes, Glänzendes in der Vitrine. Was ist denn das für ein besonderes Stück, was hier direkt einem sofort ins Auge sticht, wenn wir eigentlich doch davon reden, dass das hier alles geplündert wurde?

C: Ja, das ist richtig spannend und auch außergewöhnlich. Wir sehen hier einen Messkelch, der aus der ehemaligen Schlosskapelle ist. Der ist ein etwas früher als 1525 erstanden und zwar im Zuge einer Hochzeit von einem Herrn von Neuneck mit einer Frau von Au. Und dieser Schlosskelch hat tatsächlich diese Plünderung überlebt und hat bis heute Bestand und ist jetzt mittlerweile, wird er normalerweise in der katholischen Kirche in Glatt aufbewahrt, wird auch noch benutzt. Und die katholische Kirche hat uns die dankenswerter Weise für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt.

F: Das heißt, wir haben ein Objekt, das nicht nur den Bauernkrieg überstanden hat, sondern bis heute, ja wirklich, wie soll man sagen, im kirchlichen Dienstbetrieb immer noch verwendet wird und das 500 Jahre später.

W: Was ich total spannend finde, ist tatsächlich auch noch die Urkunde, die wir hier auch als Leihgabe diesmal aus dem Staatsarchiv Sigmaringen haben, weil da ist ein Bauer, ja hier ist ein Bauer fassbar, wir kennen sogar seinen Namen, Konrad Ritter, der nachdem die Aufständischen ihr Schloss besetzt haben, der erst mal die Gemeinde zusammengerufen hat und gesagt hat, wir beratschlagen jetzt erst mal über all das, was uns hier stört und was wir gerne anders haben wollen würden. Und hier können wir also auch tatsächlich jemand greifen mit dieser Urkunde, der dann im Bauernaufstand gesagt hat, okay ich mache damit und ich schließe mich diesem Aufständischen an.

C: Und wir finden auch einige Glatter auf der Tafel, die wir uns ganz am Anfang angeschaut haben, mit den bestimmten Urfehden im vorderen Bereich der Ausstellung. Und hier ist ganz spannend, da gibt es eine Familie Schwind, wo es auch noch Nachfahren dieser Familie gibt, die bis heute in Glatt leben. Und vielleicht kann man noch was zum Schlossgebäude selber sagen, weil wir sehen hier eine Abbildung vom Schloss über der Vitrine. Das Schloss sah zu damaliger Zeit nicht so aus, wie es heute aussah. Die vier Ecktürme, die wir hier sehen, die gab es nämlich damals noch nicht. Erst ab 1533 wurde dieses Schloss dann neu ausgebaut unter Reinhard von Neuneck. Unter anderem auch wahrscheinlich eine Folge des Bauernkrieges, weil er hat nämlich die beiden äußeren Ecktürme zuerst gebaut und erst die Wehrhaftigkeit dieser Burg verstärkt und dann in einem zweiten Schritt erst dieses Schloss als Repräsentations-, als Renaissance-Schloss weiter ausgebaut. Also das hatte praktisch auch noch die Folge des Bauernkrieges direkt am Gebäude, we il man muss ja sagen, das Gebäude ist unser größtes Ausstellungsobjekt, was wir hier in dieser Sonderausstellung haben.

W: Wenn man die Quellen aus der Zeit liest, und es gibt ja auch einen längeren Bericht von Reinhard von Neuneck, wo er über den Bauernkrieg berichtet und wo er sich noch mal bitterlich beschwert über diese verräterischen und meineidigen Leute, die ihm da in den Rücken gefallen sind, dann fällt schon auf, wie tief gekränkt der war. Und besonders spannend finde ich tatsächlich, dass hier in Glatt auch ein Adliger greifbar ist, der sich den Aufständischen angeschlossen hat, nämlich Wolf von Bubenhofen. Wir sehen also hier einen Text über ihn auf der linken Seite. Das ist natürlich nicht er, sondern das ist, also anders als bei Reinhard von Neuneck, das muss man vielleicht noch mal sagen, die Figur hier drüben, das ist wirklich Reinhard von Neuneck selbst, das ist sein Bildnis von der Grabplatte. Hier, das Bild steht symbolisch für Wolf von Bubenhofen. Ja, man könnte so sagen, der Typus des verarmten Adligen, der eigentlich vermögend war, aber dann auf großem Fuß gelebt hat, der dann in österreichische Dienste ging und kurz vor dem Bauernaufstand, ich würde jetzt mal neudeutsch sagen, entlassen wurde und dann eben sein Glück im Aufstand gesucht hat und sich den Bauern angeschlossen hat. Und der hier, und das wirft ihm Reinhard von Neuneck ganz konkret vor, der hier im Schloss auch geplündert haben soll und der sich hier bereichert haben soll am Vermögen seines Adligen Standesgenossen.

F: Tja, so wie das Leben halt manchmal ist. Eben, wir haben damals ein Militär, was ja doch relativ opportunistisch ist. Auf der einen Seite sehen, ja, man kämpft für die Bauern oder für den Adel und man wechselt mal so, mal so, je nachdem, naja, wer eben am Ende am meisten gezahlt hat oder in dem Fall eher, wo es mal was zu holen gab auch.

W: Ja, allerdings bekommen hat es ihm nicht, wir wissen nach dem Bauernkrieg nicht mehr viel von ihm, also er verschwindet im Prinzip aus den Quellen.

MUSIK

W: …und hier kann man ganz gut sehen, was die Bauern dann gemacht haben mit den Waffen, die sie ihn Glatt erbeutet haben und unter anderem wissen wir aus den Quellen haben sie auch solche Waffen erbeutet, wie wir es hier sehen. Das ist nochmal eine Hakenbüchse, ich glaube in der Quelle steht drin, 30 Hakenbüchsen haben sie allein hier.

C: Nein, sogar 80. 80 Büchsen, man weiß nicht genau, waren es alles Hakenbüchsen, aber 80 Büchsen waren es.

W: Okay, also die haben sie hier erbeutet und damit sind sie weitergezogen und zwar ziemlich schnell, also am 28. April waren sie hier in Glatt und sind dann einmal über den Berg Richtung Sulz gezogen, haben sich vor die Stadt gelegt. Sulz war damals unter der Herrschaft der Herren von Geroldseck, das war ein bisschen eine umstrittene Geschichte, eigentlich war Sulz schon seit 1471/73 württembergisch, aber als der Herzog Ulrich von Württemberg, von dem wir ganz eingangs mal gehört haben, als der 1519 aus seinem Herzogtum vertrieben wurde, da ist Sulz wieder Geroldseck geworden. Also die Aufständischen ziehen vor die Stadt und sagen, schließt euch uns an. Das, was wir immer wieder sehen, schließt euch uns an und die Sozialisten sagen, nein. Und sie haben nach dem Bauernkrieg einen ausführlichen Bericht darübergeschrieben, in dem sie das genau sagen, wie das ablief. Und die Frauen und Kinder hätten sich also in Gewölben verstecken müssen, weil die geschossen haben, und trotzdem habe man sich nicht ergeben. Und erst als die Bauern gedroht haben, das Holz der Saline, also was für die Salzgewinnung notwendig war, anzuzünden, und weitere sogenannte Feuerpfeile in die Stadt geschossen haben, es war mittlerweile kurz vor Mitternacht, erst da hat die Stadt Sulz gesagt, okay, wir machen die Tore auf. Und dann muss ein Riesenbauernheer, aufständischen Heer in die Stadt eingefallen sein. Wir wissen, dass die Stadt Sulz die verköstigen musste. Wir wissen auch tatsächlich aus den Quellen, aus einzelnen Urfehden, dass manche Aufständischen da ein persönliches Interesse hatten und einen, der so ein persönliches Interesse hatte, den sehen wir hier. Das ist Ulrich Metzger, ein Bürger aus Sulz und ein Bürger von Sulz, der war wohl auch selber Metzger. Und der hatte schon zuvor, war er aufgefallen, dass er immer wieder gegen die Herrschaft polemisiert hatte, er war schon mal im Gefängnis gewesen, war dann gegen so eine Urfehde freigekommen, und das Erste, was er gemacht hat, war, sich wiederum den Bauern anzuschließen und mit den Bauern seine Stadt zu belagern. Und als er dann reinkam, hat er die alte Urfehde in seine Gewalt gebracht und soll sie sogar zerrissen haben.

C: Was wir hier auch noch in diesem Raum sehen, wir haben es ja im Fürstensaal schon ein paar Waffen gesehen, und hier sehen wir hier auch noch mal ein paar Waffen, und zwar bäuerliche Stangenwaffen. Und da spiegelt sich das wider, was ich vorher schon erklärt habe, dass man einfach aus Handwerkszeug, aus Werkzeug dann Waffen gemacht hat. Wir sehen nämlich hier rechts eine Sense, die praktisch dann gerade gezogen wurde und dann als Hieb- und Stichwaffe eingesetzt werden konnte. Oder man sieht hier praktisch so einen Kolben, wo man einfach spitze Stangen reingesteckt hat und das dann als Waffe genutzt hat. Und daneben sehen wir wieder eine andere Waffe, die auch von adeligen Heeren dann eingesetzt worden ist, und zwar die Hellebarde, also eine klassische Hieb- und Stichwaffe aus dieser Zeit, die in vielen Kriegen eingesetzt wurde. J

W: Ja, in der Nähe von Sulz kennen wir noch zwei, ja, oder es gibt zwei Orte, die mit dem Bauernkrieg noch eine besondere Beziehung haben. Das eine ist nämlich die Burg Albeck bei Sulz, also die Burg, die den Stadtherren gehörte. Und nachdem die Aufständischen die Stadt Sulz eingenommen haben, sind sie auch vor die Albeck gezogen und haben diese belagert. Und wir wissen dann aus der Zimmerischen Chronik, muss man sagen, das ist keine ganz so zuverlässige Quelle, die Zimmerischen Chronik konnte die Bauern nicht ausstehen, die hat dann gesagt, die Schlossbesatzung hätte die Burg einfach so übergeben und wirft denen vor, dass sie da ja im Prinzip ihre Herren verraten hätten und sich auf Seiten der Bauern gestellt haben. Allerdings wissen wir auch, dass die Burg erst drei Tage nach der Stadt Sulz eingenommen wurde, also vielleicht hatten die gar nicht so eine andere Möglichkeit, wenn da so ein großes Heer wirklich vor der Burg lag. Und auch hier haben sie Waffen erbeutet, weitere Waffen. Und eine weitere Einrichtung, die dann in der Nähe von Sulz war, war das Dominikanerinnenkloster Kirchberg. Und hier passiert etwas ganz Interessantes, das liegt also auf der östlichen Neckarseite, dann etwas hoch in den Höhenlagen, und hier war ein anderer Bauernhaufen tatsächlich, der das Kloster sogar zweimal geplündert hat. Das war für das Kloster tatsächlich eine Riesenherausforderung, diese Plünderung, die es eigentlich auch dann über Jahrzehnte nicht überwunden hat, wurde also ziemlich schwer zerstört. Aber nach der Plünderung des Klosters Kirchberg haben sich dann diese beiden Bauernhaufen, der aus dem Schwarzwald, den wir jetzt schon ganz lange verfolgt haben, und der, der aus Balingen kommt, zusammengeschlossen und haben dann in Sulz gelagert, bis sie weitergezogen sind.

MUSIK

F: Genau, du hast uns jetzt ganz viel auch noch über das Kloster erzählt, und wir haben hier, sehe ich, noch mal eine ganz, ganz spannende Vitrine. Wir hatten davor auch schon was zur Burg Mandlberg, und wir sehen ja auch hier wieder so Objekte. Kannst du uns, Johannes, noch mal ein bisschen was hierzu sagen?

W: Vielleicht können wir das Kajetan zusammen machen. Das sind nämlich Objekte, die schon lange hier im Schloss Glatt ausgestellt werden, die wir jetzt hier noch mal auch in die Sonderausstellung genommen haben, die bei verschiedenen Grabungen zwischen 1978 und 2009 gefunden wurden, beziehungsweise eigentlich nicht Grabung, eher so Begehung und Lesefunde.

C: Ja und hier sehen wir praktisch verschiedene Alltagsobjekte. Wir haben speziell die aus der Zeit rausgenommen, die auch praktisch im 16. Jahrhundert höchstwahrscheinlich aktiv genutzt wurden. Im unteren Bereich der Vitrine sehen wir wieder diese klassischen Ofenkacheln, wo wir jetzt schon einige gesehen haben. In den anderen Vitrinen, die sind in dieser Zeit immer klassisch grün glasiert. Im mittleren Bereich sind wir einzelne Metallgegenständen, hier zum Thema Pferd, natürlich ein Hufeisen, eine Trense. Und ganz oben kommen wir dann zu den schon etwas nobleren Sachen und zwar sehen wir hier ein Glasfragment von einem Tischbrunnen von der Ruine am Alpe. Das ist auch ein ganz besonderes Objekt und im Hintergrund sehen wir auch einzelnes Spielzeug, was auf dieser Burg genutzt war.

W: Ich glaube, ich muss das für unsere Zuhörer einfach noch mal nachfragen. Was ist denn ein Tischbrunnen?

C: Ein Tischbrunnen gibt es ja heutzutage, haben das manche Leute auch noch.

W: Genau, ein Tischbrunnen, aber ohne Schokolade, eher mit Wasser. Oder mit Wein?

C: Oder mit Wein.

W: Also was ich tatsächlich auch unglaublich faszinierend finde, ist die Glashandwerkskunst. Also wenn man sich diesen Tischbrunnen anschaut, auch wenn es nur ein Fragment ist, das muss dir alles mundgeblasen werden und das zeigt eben, dass wir hier weit fern sind von irgendeinem finsteren Mittelalter oder einer finsteren Zeit. Die hatten schon ziemliche Fähigkeiten und die haben auch nicht immer nur in Armut gelebt, sondern es war eben ein sehr weites Spektrum, es war nicht alles finster.

MUSIK HEITER

W: Ich will vielleicht abschließend noch mal in der Klimavitrine da drüben auf was zurückkommen, weil das ist hier auf der rechten Seite dieser Bericht der Stadt Sulz über das, was in Sulz passiert ist und da haben sie wirklich, ich habe es mal nachgezählt auf insgesamt 16 Seiten, haben sie dargelegt, wie die Bauern die Stadt belagert haben. Man muss sagen, es war in einem ganz bestimmten Kontext, die mussten sich rechtfertigen, denn von Sulz aus sind die Bauern nämlich weitergezogen, haben später Herrenberg eingenommen, auch da haben übrigens die Glatter-Feuer-Pfeile noch mal eine, wie wir aus der Quelle, wie wir sogar von einem sehr unverdächtigen Zeugen wissen, von Truchsessen Georg von Waldburg, dem Hauptmann des Schwäbischen Bundes, auch da haben diese Glatter-Feuer-Pfeile noch mal eine wesentliche Rolle gespielt und die Stadt Herrenberg hat dann all die Städte und Herrschaften verklagt, von wo, also aus denen Bauern kamen, die die Stadt belagert haben oder Aufständische kamen und deswegen auch die Stadt Sulz und die Stadt Sulz musste sich wirklich rechtfertigen und die sagen hier, bitte, bitte, glaubt uns, wir haben uns nur ganz, ganz ungern diesem Aufstand angeschlossen, dafür braucht man dann eben 16 Seiten.

MUSIK

W: Jetzt hier in den letzten Raum der Ausstellung, der ist den Städten Oberndorf und Rottweil gewidmet.

F: Oberndorf und Rottweil? Okay, das ist für mich jetzt erklärungsbedürftig. Die Bauern ziehen nach Herrenberg. Warum beschäftigen wir uns eigentlich jetzt nochmal mit Oberndorf und Rottweil? Rottweil, ja, das ist doch genau die falsche Richtung eigentlich, oder nicht?

W: Ja, sehr gute Frage. Tatsächlich hatten die Bauern nach der Einnahme der Stadt Sulz Anfang Mai 1525 zwei Optionen. Entweder Neckar aufwärts Richtung Oberndorf und Rottweil oder abwärts in Richtung Horb, Herrenberg, Böblingen. Und ich würde fast sagen, die erste Option war eigentlich Neckar aufwärts zu ziehen. Thomas Mayer hat einen Brief an die Stadt Oberndorf geschrieben, in der die Stadt aufgefordert hat, den Aufständischen beizutreten. Und Rottweil als Reichstadt wäre auch ein sehr interessantes Ziel gewesen. Allerdings, dort in der Nähe stand der sogenannte Bauernjörg, der Truchser ist Georg von Waldburg, der Hauptmann des Schwäbischen Bundes. Und so entschied man sich eben, Neckar abwärts zu ziehen.

F: Der Bauernjörg, das ist ja so ein Begriff, der immer wieder fällt. Das klingt ja schon ziemlich bedrohlich. Das heißt, dass da eine andere Armee aus dem Süden heranrückte, die quasi für die Bauern, naja, schon eine Entscheidungsschlacht etwas nach vorne gezogen hätte.

W: Genau. Man hat versucht, der Sache auszuweichen und ist deswegen eben dann Neckar abwärts gezogen. Übrigens ziemlich schnell. Also auch man hat Horb in dem Fall rechts liegen gelassen. Man ist auf den Höhen an Horb vorbeigezogen, weil man da keinen Konflikt wollte. Da waren auch relativ viele Bewaffnete in der Stadt. Schauen wir uns kurz Oberndorf und Rottweil an. Oberndorf ist nämlich wirklich spannend. Wir gehen jetzt vielleicht mal zu der Folie und wir sehen hier zahlreiche Dokumente aus der Zimmerschen, der sogenannten Zimmerschen Chronik. Die Stadtherren von Oberndorf waren tatsächlich die Herren von Zimmern. Zu dieser Zeit Wilhelm Werner von Zimmern, von dem sich sogar ein Selbstporträt erhalten hat. Und wir wissen aus dieser tendenziösen Zimmerischen Chronik, dass es in der Stadt zwei Parteien gab. Und die eine Partei, die wollte sich unbedingt den Bauern anschließen. Wir kennen sogar die Rädelsführer, nämlich Jakob Schuler und Hans Sattler. Und die hätten sogar die Ermordung des Stadtherren angestrebt und sogar der führenden Familien, die auf Seiten der Stadtherren standen. Also wenn das so stimmt, hier sind wir wieder bei der Tendenz. Ziemlich blutrünstige Sache. Mehr wissen wir über den Bauernkrieg in Oberndorf allerdings nicht. Es haben sich keine Urfehden erhalten, nur eben dieser Bericht aus der Zimmerischen Chronik. Mit einer einzigen Ausnahme. Es gibt nämlich, da gehen wir hier rüber zur Vitrine gegenüber…

MUSIK ÜBERGANG

W: …es gibt ein Bauernmesser. Und das wurde in der Oberndorfer Innenstadt an der Schützensteige gefunden. Und das stammt genau aus dem 16. Jahrhundert. Es könnte also etwas sein, was in dieser Zeit des Bauernkriegs dort genutzt wurde.

F: Das heißt gut, Oberndorf ist ein schwieriger Schauplatz. Aber wenn ich hier in dem Raum stehe, gibt es eine Sache, da fällt der Blick automatisch drauf. Also dieses riesige, runde, naja, auf den ersten Blick runde Ding, runde etwas. Johannes, kannst du einfach noch mal mehr zu diesem, ja, beeindruckend. Also wenn ich näher herantrete, ich erkenne Gebäude, ich erkenne Bäume. Es sieht für mich so aus, als ob es eine gigantische, aber merkwürdigerweise runde Karte ist.

W: Es ist eine runde Karte. Es ist die sogenannte Pirschgerichtskarte. Die ist heute im Stadtmuseum Rottweil, denen wir auch danken müssen, dass sie uns das ausgeliehen haben. Ein wirkliches Highlight der Ausstellung. Stammt zwar aus der Zeit rund 40 Jahre nach dem Bauernkrieg, aber zeigt, wie sich die Menschen in dieser Zeit den Raum vorgestellt haben und den Raum geordnet haben. Und wir sehen hier in der Mitte der Karte die Reichstatt Rottweil mit der Kapellenkirche, mit dem Münster, mit dem Schwarzen Tor und den Stadttoren und drum rum sieht man die ganze Landschaft, ja, die ganzen Städte, Dörfer und Orte, die unter der Herrschaft des Rottweiler Pirschgerichts stand. Was ist das Pirschgericht? Das war ein sogenanntes Malefizgericht, also ein Gericht, vor dem auch schwerere Vergehen verhandelt wurden und das war der Bezirk, in dem dieses Gericht recht gesprochen hat.

F: Also für mich, wir haben ja vorhin über Landesherrschaft gesprochen und das klingt für mich sehr nach Landesherrschaft. Man sagt doch immer freie Reichstadt Rottweil. Das klingt nach Freiheit, das klingt doch alles nach den Bösen in Württemberg und die tollen Rottweiler, die ja ganz frei sind und scheinbar doch ohne Landesherrschaft. Aber wenn ich das sehe und auch die Art und Weise, wie diese Karte erstellt ist, das klingt für mich auch so nach einem ziemlich harten herrschaftlichen Instrument.

W: Die hat ein großes Landgebiet, also man sieht tatsächlich auch hier auf dieser Karte, markiert mit verschiedenen Wappen, welche Landesherrschaft einzelne Städte und Orte unterstanden. Und da sieht man tatsächlich auch mit dem roten Kreuz auf weißem Grund die Orte markiert, die unter der Herrschaft der Reichsstadt Rottweil standen. Und die Stadt Rottweil hat dort die, ja tatsächlich auch dann die Ortsherrschaft und die Grundherrschaft ausgeübt. Die dortigen Bauern waren dann eben Abgabe und zinspflichtig nach Rottweil. Und insofern war die Stadt Rottweil nicht daran interessiert, dem Aufstand der Bauern in irgendeiner Weise beizutreten. Man wusste, es gab auch einige Sympathisanten in den Reihen der Stadt, die auf Seiten der Bauern standen. Aber dieses Gemeinwesen mit 4.500 Einwohnern, mit einem Landgebiet, wo man selbst Herrschaft ausgeübt hatte, das wollte mit den Bauern, mit diesen Bauernaufständischen wenig zu tun haben.

F: Also tatsächlich, okay, okay, wir hören schon, die Bauern ziehen nicht nach Rottweil. Wir haben dieses massive Herrschaftsinstrument, okay, aber folter uns nicht so sehr. Wir wollen schon noch wissen, was passiert denn dann während des Bauernkriegs in Rottweil, wenn die Bauern in die andere Richtung gezogen sind.

W: Ja, wir haben vorhin schon mal ganz kurz von Alpirsbach gehört, der gefangen gesetzt wurde und der dann wieder frei kam und der dann ordentlich Schiss hatte, würde ich mal neudeutsch sagen. Was macht der? Der flieht nach Rottweil, hinter die festen Bauern der Reichsstadt. Hier waren auch andere Äbte, zum Beispiel der von St. Georgen im Schwarzwald. Hier waren Adligen wie die Herren von Zimmern und aus der schon jetzt öfter erwähnten Zimmerischen Chronik gibt es einen genialen Auszug, was sie in der Stadt gemacht haben. Und da wird es heißen, in der Zeit seien viele ehrbare Leute dort gewesen und viele davon seien durch die Bauern aus ihren Herrschaften vertrieben worden und die hatten dann zum Zeitvertreib, ja auch zum Zeitüberbrücken, was eingeführt, was sie Meißeln genannt hatten. Und was war Meißeln? Das ist völlig absurd. Da hat man sich mit dreckigem Wasser gegenseitig beschüttet. Da hat man sich, wie es wörtlich heißt, mit Kuchenfetzen beworfen. Es gibt eine wunderbare Szene, da heißt es, dass die beiden Mönche, nämlich der Abt von Alpirsbach und der von St. Georgen, noch viel abenteuerlustiger als die anderen waren und dass sie sich mit Mehlsäcken beschmissen hätten und nachdem sie schon nass waren vom Spülwasser, ist das ganze Mehl an ihnen kleben geblieben und die ganzen Kunden waren völlig ruiniert und sie mussten sich dann nachts nach Hause schleichen. Also das hat man in den Mauern der Reichstadt Rottweil gemacht, wenn draußen der Bauernkrieg tobte.

F: Okay, das klingt aberwitzig. Also wir sehen auf der einen Seite die Bauern, die quasi ja schon fast flüchtend in Richtung Norden nach Herrenberg und dann weiter nach Böblingen gehen, verfolgt vom Truchses, vom Bauernjörg, der quasi ihnen den Garaus machen möchte und auf der anderen Seite sehen wir also die feinen Leute, die ja, wie soll man sagen, auf Neudeutsch eine große Party schmeißen und sich wirklich das Leben gut gehen lassen. Kann man das so resümieren?

W: Ja, also wenn man der Zimmerischen Chronik glaubt, dann genau so.

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F: Also hier sehe ich noch so einen großen, ja schon ein bisschen mysteriösen Schrank und wir sehen auch noch mal hier eine, ja noch mal eine Urkunde oben. Johannes, kannst du noch mal sagen, mehr sagen, was wir eigentlich hier in diesem Schrank eigentlich noch mal drin Genaues alles finden?

W: Ich glaube, da müssen wir noch mal ein Stück ausholen. Du hast mich vorher nach Herrenberg gefragt und warum die in die Richtung gezogen sind. Herrenberg haben sie eingenommen noch am 8. Mai, haben sich dort mit anderen Bauernheeren, Bauernaufständischen zusammengeschlossen und sind weitergezogen und dann ist was, ja für die Bauern, muss man sagen, für die Aufständen, was wirklich Vernichtendes passiert. Sie treffen bei Böblingen auf das Heer des Truchssessens von Waldburg, dieses Bauernjörgs und innerhalb von nur vier Stunden haben die Bauern diese Schlacht, ja wirklich vernichtend verloren. Man spricht von bis zu 3000 Toten.

F: Obwohl die Bauern doch eigentlich, ja zahlenmäßig komplett überlegen waren, aber wie machen das dann doch an der, ja militärischen Unterlegenheit gegenüber diesem, ja adligen Ritter, Reiterheer, die mit Rüstungen, naja gegen die Bauern, mit ihren Bauernwehren im Endeffekt angekämpft haben und auch in zahlenmäßiger... Unterlegenheit, ja, mit weniger Männer, aber gut ausgebildeten, richtigen Kriegsleuten. Ja, das Bauernheer muss man wirklich sagen weitestgehend aufgerieben haben und dann eben zu einem, ja, können wir so auch sagen, Massaker unter den Bauern geführt haben, oder?

W: Ja, muss man so sagen. Also, wie viele ums Leben gekommen sind, das ist schwierig zu sagen. Von 3000 wird gesprochen. Das sind schwierige Zahlen, aber auf Seiten des schwäbischen Bundeswahns, das ist durch Groningen relativ gesichert, nur um die 40 Leute. Und da sieht man diese, dieses Ungleichgewicht. Was passiert weiter? Thomas Mayer kann fliehen, wird im Zinsbachtal bei Pfalzgrafenweiler festgenommen, nach Tübingen geführt und ohne Prozess enthauptet. Auch andere Bauern können fliehen und wir haben ja vorhin die Wand mit den ganzen Namen gesehen. All die, die wir da gesehen haben, das sind die, die überlebt haben. Und die kennen wir im Regelfall aus diesen Urfehden. Also natürlich nicht alle, die überlebt haben, aber die, die wir dort sehen, sind welche, die überlebt haben. Und diese Namen kennen wir aus den Urfehden. Und hier haben wir noch mal einige Urfehden in diesem Schrank liegen und damit komme ich auf deine Frage zurück. Wir sehen oben eine Urfehde von zwei Leuten, nämlich von den beiden Aufständischen Augustin Schwab und Ulrich Würrin und die geloben wirklich mit dieser Urfehde gegen die Entlassung aus dem Gefängnis der Herren von Neuneck, dass sie fortan keinen Aufruhr mehr anstiften werden. Und wenn man hier bei der Vitrine, wir können mal vielleicht eine der Schubladen öffnen und dann finden wir hier in der ganzen Vitrine noch weitere Urkunden, aber auch Reproduktionen von Urkunden. Also wir haben nicht alle im Original da. Die Staatsarchive in Sigmaringen und Stuttgart waren sehr großzügig, aber wir finden hier eine ganze Reihe von Urkunden und jede dieser Urkunden erzählt eine eigene Geschichte.

F: Ja, das ist wirklich, wirklich sehr, sehr beeindruckend. Also wenn wir uns überlegen, dass eben hinter diesen, ja, diesen Stücken, die nicht Papier sind, das muss man an dieser Stelle festhalten, sondern auf Pergament geschrieben ist. Pergament ist, wie wir heute auf Neudeutsch sagen würden, gestretchte Tierhaut, eben das Schicksal einzelner Menschen dahintersteckt. Das heißt, hinter diesen, ja, Papieren, die manchmal vielleicht auch ähnlich aussehen, jedes Mal wirklich das Schicksal und dann auch zum Teil wirklich das harte Schicksal, was die Menschen danach, ja, ja an Strafe erdulden mussten, das können wir doch wirklich en Detail aus diesen einzelnen Schriftstücken herauslesen.

W: Genau, unglaublich viel stammt aus diesen Urfehden und ich würde sie einfach einladen, wenn sie uns jetzt zugehört haben, dass sie selber mal an diesem Schrank ein bisschen ziehen, dass sie sich die einzelnen Urfehden anschauen und da mal ein bisschen, ja, schmökern kann man nicht sagen, weil die Schrift zu lesen wird ihnen schwerfallen.

F: Aber vielleicht ein bisschen versuchen auf so eine Entzifferungs-Rätsel-Ratetour, was da in dieser alten Schrift denn geschrieben steht.

W: Wir haben tatsächlich auch zu jeder Urkunde eine kleine Zusammenfassung geschrieben und bei einzelnen Ausgewählten haben wir sogar mal den Text nebendran gemacht und das gilt nicht nur für die Urkunden hier in der Vitrine im Turm, sondern auch für die in der Klimavitrine drüben, da treffen wir nämlich sogar auf zwei alte Bekannte, auf Ulrich Metzger, den Metzger, der Sulz angreift und aus Endlin-Mura die Frau, die in Dornhahn das Schloss vom Gefängnis abgerissen hat. Wir haben uns jetzt ja echt eine ganze Weile mit dem Thema Bauernkrieg beschäftigt, Louis David, was nimmst du mit aus der Ausstellung über den Bauernkrieg, aber vielleicht auch für unsere heutige Zeit?

F: Ja, das ist eine klasse Frage, also wenn wir an den Bauernkrieg denken, denken wir oft so an so eine frühe, ja so eine frühe Freiheitsbegehren oder so eine Demokratie, die in der DDR haben wir früher von Klassenkampf auch gesprochen und wenn wir sehen, was wie der Bauernkrieg hier vonstatten gegangen ist, wir sehen etwas, was doch viel viel vielschichtiger und diverser und ja eben komplexer ist. Wir haben nicht nur so einen Klassenkampf, sondern wir sehen, naja wir sehen auf einmal, zum Beispiel haben wir gesehen, ein Adliger, der auf Seiten der Bauern ist, dann manche Bauern, die nicht bei den Bauern mitmachen wollen und wir sehen auch, dass das Ganze manchmal eine Kooperation ist, manche gehen auch friedlich darauf ein, in manchen Klöstern wird halt geplündert, in anderen wird weniger geplündert und dass es auch keinen kompletten Plan da drin gab, sondern das Ganze war im Endeffekt ja aus der Situation auch heraus, aus der Unzufriedenheit heraus, sind die Bauern im Endeffekt aufgestanden und wollten dann für ihre Rechte kämpfen und ihre Rechte, die ja nicht von irgendwoher kamen.

W: Ja, das finde ich natürlich auch unglaublich spannend und diese lokale Verortung, dass das so unterschiedlich ist. Ich glaube, da kann man auch nur daraus lernen, dass es sich wirklich lohnt, Lokalgeschichte auch zu erforschen und eben genau hinzuschauen. Und ich glaube, das macht auch die Ausstellung ganz gut. Und wenn ich jetzt in die heutige Zeit blicke, dann finde ich, verbieten sich einfache Analogien. Ja, also dass man jetzt nicht sagt, keine Ahnung, vor ein, zwei Jahren gab es die Bauernaufstände, da haben manche von einem neuen Bauernkrieg gesprochen, andere sahen ihre Freiheit bedroht. Ich glaube, das ist dann doch ein ziemlich schräger Vergleich, der eigentlich da versucht, Geschichte heute zu instrumentalisieren. Wir haben einfach komplett unterschiedliche Ausgangslagen, wir haben unterschiedliche Situationen. Den Bauernkrieg, den kann man, den muss man untersuchen und betrachten in der Situation von vor 500 Jahren. Vor dem Hintergrund der Lage von Bauern, von Adeligen, von Klöstern und Städten zu der Zeit, vor dem Aufkommen des Buchdrucks, vor der Reformation, vor einer Zeit, die durchaus auch mit viel Unsicherheit behaftet war und nicht durch unseren modernen Blickwinkel, deswegen keine frühbürgerliche Revolution, deswegen kein Klassenkampf. Und genauso können wir jetzt nicht einfach ein Beispiel aus der Vergangenheit auf die heutige Zeit anwenden.

F: Und was wir vielleicht nochmal an dieser Stelle abschließend nochmal betonen müssen, ist, der Bauernkrieg ist in den letzten Jahren mit vielen Jubiläen viel besprochen und diskutiert worden. Und das Besondere an dieser Ausstellung ist wirklich, wenn man jetzt nochmal alles Revue passiert, was man in diesen Räumen gesehen hat, da kann man auch sagen, der Schwarzwald ist nicht nur, wie wir es am Anfang gesehen haben, dieser eine Fleck, wo irgendwas mit Bauernkrieg stattgefunden hat, sondern auch wirklich ein zentraler Hotspot des Bauernkriegs.

W: Ich glaube, da kann man nichts mehr hinzufügen.

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Outro:

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